Tugend Mühe

Hab die Tage in meinen Unterlagen gestöbert und meine POS- bzw. Grundschulzeugnisse gefunden (also nicht, dass sie verloren gegangen wären). Na wenn man sie schon mal in Händen hält, liest man auch, was drinnen steht. Da stand nun, dass sich Manfred sehr bemüht. Man kennt es ja von den Arbeitszeugnissen heutzutage. Wenn sich einer bemüht, heißt dass, das er nichts kann bzw. ein Faulpelz ist. Nur zeigen die Noten dieser Zeugnisse, dass das damals (oh.. ich schreibe damals..) nicht so war. Auch steht im Zeugnis, dass man an den Leistungen sehen kann, dass ich mich bemüht habe.

Schade, dass Mühe heute so ein schlechter Begriff geworden ist. Sagt er eigentlich doch viel aus. Jemand, der sich müht, gibt nicht auf. Er setzt seine Energie in die Lösung einer Aufgabe. Beklagen nicht viele, dass sich Schüler und Studenten nur noch wenig konzentrieren können und von einer Aufgabe zur nächsten springen – jedoch keine recht erfüllen. Hin und her getrieben von dem, was im Moment motiviert. Nur sollte es nicht länger als 3.20 min dauern.

Mühe zeigt, wie sich jemand durchbeißt und dranbleibt. Wer nur nach dem Ergebnis fragt, den interessiert Mühe scheinbar nicht. Mühe ist jedoch die Voraussetzung für manchen Erfolg, auch wenn nicht jede mühevolle Arbeit von Erfolg gekrönt sein kann.

Wenn wir sagen: „Gib Dir Mühe“, zeigt das, dass Mühe etwas inneres ist. Ich kann mich bemühen, nicht aber dich. Was will ich als Chef mehr, als Mitarbeiter, die selbst dabei sind und sich von innen heraus anstrengen?

Schade, dass Mühe in unserer Gesellschaft nichts wert ist und nicht belohnt wird.

Schein und Sein – Gesellschaftliche Kirchenkritik und das Glashaus

Scheinheiligkeit ist normal.

Als Christ sieht man sich schnell mal der Kritik von außen ausgesetzt. Es spielt letztlich keine Rolle, ob man für mittelalterlich, ausbeuterisch oder einfach nur dämlich gehalten wird – alles wird bemüht. Wenn man Teil der Kirche ist, fällt einem eines besonders schnell auf: Scheinheiligkeit. Wasser predigen, Wein saufen. Hab ne Weile drüber nachgedacht und festgestellt: das ist normal.

Scheinhumanismus ist normal.

Es betrifft die gesamt Gesellschaft. Kirchenkritik ist ein gern genutztes Mittel im Bereich von Aufklärung und (neuem) Humanismus. Aber auch die guten Menschen sind nicht alle gleich. So wie es in der Kirche vor Scheinheiligen wimmelt, so tummeln sich die Scheintoleranten und Scheinhumanisten in der Gesellschaft. Es gibt überall wenig progressive Menschen, jedoch viele Konservative – auch bei den so genannten Liberalen.

Würde es diese Gesellschaft tatsächlich interessieren, dass es in Deutschland Probleme mit Migranten gibt, würden wir sie lösen. Wäre es von Interesse, dass es in Deutschland keine Straßenkinder geben müsste, gäbe es keine. Wenn die Gesellschaft es nicht ertragen könnte, dass immer noch die Negerkinder verrecken, wäre wir alle auf der Straße.

Das alles ist der Gesellschaft aber scheißegal. Toleranz interessiert die wenigsten. Bildung, Vernunft und Tugend sind der Gesellschaft so fremd wie Glaube und Heiligung der Kirche. Die Kirche ist Teil einer lustlosen Gesellschaft. Das Egalsein drückt sich bei Kirchenleuten und Gottlosen nur anders aus. Jeder verkommt so, wie es sich für sein Millieu gehört.

Daher brauchen sich Atheisten gar nicht so auf ihr Vernunftleiterchen stellen, um uns anzuklagen. Willkommen im Dreck. Hier sind wir alle gleich. Hier ist uns unser Nächster egal, hier gieren wir, hier haben wir Angst, hier leben wir.

Hauptsache der Schein bleibt.

Ich zitiere den Humanismus, ich proklamiere meine Slogans. Ich werde Fan von Obama in Facebook. Ich trinke fairen Kaffee und mir ein gutes Gewissen an. Ich weiß nicht, was Homosexualität ist – habe nie ein Buch der Entwickslungspsychologie in den Händen gehabt. Aber ich weiß, wie die Parole lautet. Ich weiß, was sich gehört. Ich weiß, was die Experten in den Talkshows sagen. Ich weiß, wie ich dem Schein treu bin. Lass mich in Ruhe, ich lasse Dich in Ruhe. Ich will nicht mir Dir reden. Ich hänge den Schein an meine Haustür. Was dahinter geschieht, hat Dich nicht zu interessieren. Du interessierst mich auch nicht.

Kirche Hölle Angst

Habe heute wieder einen meiner lieblings Kabarettisten, Volker Pisper, gehört. Der hat ja auch immer was gegen Kirche und Glauben zu sagen. Aber wo er recht hat… Jeder weiß, dass 2000 Jahre Kirchengeschichte nicht unbedingt zur Kategorie Erbauungsliteratur gehören. Oft ist es ein Drama, manchmal leider auch Horror.

Was dem Menschen unserer Alleswissergesellschaft dabei nur allzuoft entgeht ist, dass die Bindung von Kirche und Staat in beide Richtungen geht. Vom Ablass hat sich nicht nur die Kirche im Mittelalter als Kirche den ein oder anderen goldenen Palast verdient, sondern auch die jeweilige Regierung. Das ist ja der Witz an der Vereinigung von Religon und Staat. Eine Trennung ist immer von Vorteil. So wie im Mittelalter jeder, der was auf sich hielt, seine Connections in Kirche und Regentschaft hatte, pflegt der Reiche von Welt heute die Verbindung von Politik und Wirtschaft. Das ist heute erträglicher. Gehasst wird immer noch die Kirche. Das ist auch leichter.

Pispers beschwert sich in seinem Programm Bis Neulich (2009) über das Geschäft der Kirche mit dem Ablass. Aus Angst Geld machen. Bin ganz seiner Meinung. Jedoch ändert sich das an einem Punkt – der Auflösung der Angst.

Wenn ein dubioses Unternehmen Geld mit der Angst vor Schweingrippe macht, indem es gleichermaßen teure wie wirkungslose Medikamente verkauft, gehört das angeprangert. Es ist jedoch keine Lösung, die Gefahr völlig von der Hand zu weisen: Jetzt fliegen wir erst mal alle nach Malle und küssen jeden, den wir treffen…

Die Kirche im ausgehenden Mittelalter nutze die Angst vor dem Tod nach dem Tod und scheffelte sich reich. Sie fachte das Feuer der Angst an. Die Reformation hat diese Angst nicht abgeschrieben, sondern in Hoffnung verwandelt. Die geschenkte Gnade, Jesus am Kreuz, der alles für mich getan hat. Die Erlösung aus Sünde und Tod – Jesus hat bezahlt, ich bin gerettet.

Verdrängung ist Aufschub, nicht Lösung. Angst vor dem Tod und Angst vor Gott ist gerechtfertigt – ist lebenswichtig. Wer Gott nicht fürchtet, fragt nicht nach Gnade und sieht am Ende verdammt alt aus.

und wenn er kommt?

[...] Nun sah ich einen großen weißen Thron, und ich sah den, der auf dem Thron saß. Himmel und Erde flohen vor ihm, weil sie seine Gegenwart nicht ertragen konnten; sie verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen.  Ich sah die Toten vor dem Thron stehen, vom Kleinsten bis zum Größten. Es wurden Bücher aufgeschlagen, ´in denen stand, was jeder getan hatte,` und aufgrund dieser Eintragungen wurden die Toten gerichtet; jeder empfing das Urteil, das seinen Taten entsprach. Und noch ein anderes Buch wurde geöffnet: das Buch des Lebens.  Das Meer gab seine Toten heraus, und auch der Tod und das Totenreich gaben ihre Toten heraus. Bei jedem Einzelnen entsprach das Urteil dem, was er getan hatte.  Der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen; der Feuersee ist der zweite Tod. Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens eingetragen war, wurde er ebenfalls in den Feuersee geworfen. [...] (Offenbarung 20, 7 -15)

Wer hat Angst vorm…

großen Gott?

Dein Blog ist nicht die Tür der Schlosskirche

Ich nehme an, dass pünktlich zum Reformationstag am 31.10.  so mancher Blog seinen Senf zur gefühlten geistlichen Lage gibt. Dann sollen wir wieder alle Reformatoren sein. Warum funktioniert das aber nicht?

1.) Martin Luther hat die Thesen gegen die Ablasspraxis nicht aus einer Gemütsverfassung mal eben gebloggt, weil er eh was bloggen wollte. Gerade wenn man die 95 Thesen mit seinen folgenden Aussagen vergleicht, stellt man fest, dass sie den Beginn von Luthers Wirken darstellen. Seine berühmte und heilsame Kreuzestheolgie ist erstmals in der Heidelberger Disputation zu fassen. Die 95 Thesen sind erwachsen aus dem eigenen langen Ringen Luthers um Gerechtigkeit. Nicht zufällig liegt der 31. Oktober 1517 in der „heißen Phase Luthers“ (der frühen Vorlesungen ab 1513) in der er sein Turmerlebnis hatte.

2.) Martin Luther war Dr. Martin Luther. Unkenrufe sind schnell getan. Kritik ist leicht geäußert. Es ist etwas anderes, zu promovieren und Kritik in irgendeiner Form wissenschaftlich aufzuarbeiten und auf die Weise zu diskutieren.

3.) Dr. Martin Luther hat innerhalb der Reformation die beste Antwort auf auf die brenneste Frage seiner Zeit gegeben. Darin gründet sich auch ein zentraler Unterschied zu den sogenannten Vorreformatoren. Wycliff und Hus haben viele Ansätze, jedoch bleiben sie stecken in der biblisch begründeten Sozial- und Kirchenkritik. Eine wirkliche Antwort auf die Frage nach einem gnädigen Gott und dem Heil bietet Luther. Und diese Frage war keine Nebensache. Wie sehr brennt es heute den Völkern Europas unter den Nägeln? Wer sucht verzweifelt nach einem gnädigen Gott? Ist es eine Hauptfrage des Lebens? Nein. Warum sollte sich eine Gesellschaft, die den Menschen weder von Gott geschaffen sieht, noch sich diesem rechenschaftspflichtig fühlt, nach Heil und Gnade fragen? Selbst die beste Antwort füllt keine Kirche, wenn die Frage vorher nicht gestellt wird.

4.) Dr. Martin Luther hat auch am 1.11.1517 reformiert. Es war nicht mit dem Thesenanschlag getan. Liest man sich in Luthers Biografie ein, kann man feststellen, wie dieser Mann bis zum Ende immer wieder in neuen Herausforderungen stand. Oft am Ende, nicht immer nur richtig aber fortwährend aktiv im Haifischbecken seiner Zeit und Gesellschaft.

(Bild Tesentür [sic] unter public domain von Thorsten Schleese via wikipedia)

Das Volk wird zu Helmut, Freiheit zu D-Mark.

Alles Gute zum Geburtstag Deutschland!

flaggedekl

http://www.sxc.hu/photo/661325

Um ehrlich zu sein, geht es mir immer durch und durch, wenn ich Berichte über die Einigung sehe. Wenn Menschen, die dabei waren, davon berichten. Ich habe eine riesige Achtung vor denen, die damals auf der Straße riefen „Wir sind das Volk“ und vor denen, die „Freiheit“ forderten.

Gleichzeitig fragt man sich, warum heute so vieles nicht hinhaut, wo das Feuer hin ist.

Für mich liegt das Problem darin, dass eine Ideologie die nächste abgelöst hat. Die Lügen des Sozialismus wurden abgelöst durch den Trug des Kapitalismus. Ob da nun an einer Wand Arbeiterparolen stehen oder Werbung für den neuen BMW… beides lügt dem Leser besseres Leben vor. Scheinbar brauchen Menschen etwas höheres, etwas zum Ausrichten. Die Fachleute nennen das „transzendieren“ – auf Deutsch übersteigern. Die sozialistische Ideologie, eine gerechte Welt zu schaffen, wurde ersetzt durch kapitalistischen Egoismus. Ob Kinder nun Kleine weiße Friedenstaube oder einen beliebigen Werbejingle singen – wo ist der Unterschied? Irgendwann hat man halt nicht mehr Freiheit, sondern D-Mark gerufen. Gier statt Menschenrechte.

Wenn man etwas im Alten Testament stöbert, findet man viele Beschreibungen in denen sich Israel gegen praktisch unbezwingbare Gegner durchsetzten kann. Klar wird gesagt, dass Gott hinter diesen Siegen steht. Manchmal überfällt Furcht die Gegner, manchmal werden sie verrückt und gehen auf einander los. Menschen, die sich selbst als vernünftig und aufgeklärt beschreiben, haben dafür nicht viel übrig. Wie man so etwas nur ernst nehmen kann? tsetsetse

Aber exakt das ist passiert. Es ist bekannt, dass die Kirche in der DDR auch vielen Menschen Raum bot, die nicht des Glaubens wegen dort waren. Künstler und Freidenker fanden nur in der Kirche die Möglichkeit, dem Staat gegenüber in Opposition zu treten und überhaupt erst einmal sagen zu dürfen, was sie denken. Und deshalb waren bei weitem nicht nur gläubige Christen bei Friedensgebeten.

Und Gott hat deren Gebet erhört. Warum gab es denn keinen Schießbefehl? Warum war so viel Polizei, Bereitschaftspolizei, Staatssicherheit und NVA alarmiert und bereit? Und warum gibt niemand einen Befehl? Und warum ist das nicht nur das Ende der DDR, sondern auch das Ende der Sowjetunion?

So viele Menschen rennen durch’s Leben und meckern, dass sie ja schon an Gott glauben würden, wenn sie mal selbst ein Wunder hätten. Wir hatten hier ein riesiges Wunder und viele waren live dabei.

Freiheit gibt es nicht vom Staat verordnet und nicht zu kaufen, weder für D-Mark, noch für Euro. Weder Helmut noch Angie werden unser retten.

Ich danke Jesus und den mutigen Menschen, dass ich nicht lange DDR-Bürger war. Ich danke Jesus, dass ich einmal Himmelsbürger sein werde.

Alles Gute Deutschland & Gottes Segen!

Baumpredigt

Eiche unter CC Lizenz von pilot_micha via flickr.com

Am Sonntag war ich beim Jahresfest der Kommunität Diakonissenhaus Riehen in Basel (CH). Predigttext war Psalm 1. Da die Schwestern auf dem Gelände eine riesen Eiche haben, hat der Pfarrer daran seine Punkte festgemacht.

Was habe ich daraus mitgenommen?

Am Baum wachsen die Blätter und die Früchte, die zu dem Baum gehören. Egal wie gefragt Trauben sind, als Apfelbaum wird man keine tragen. Das gilt auch für die Zeit. Kirschen und Pflaumen zum Beispiel kann man nicht gleichzeitig ernten.

Im Herbst fallen Blätter und Früchte. Nur noch die Gestalt des Baumes bleibt zurück. Es kommt gar nicht so auf Früchte und Blätter an. Die sind das Produkt. Sie sind für andere (und auch für mich^^). Sie fallen ab, wenn ihre Zeit kommt. Wer bin ich ohne Blätter und ohne Früchte?

Es kommt gar nicht so auf den Baum an. Die Wurzel zieht die Nährstoffe und hält den Baum fest im Boden. Durch sie bekommt der Baum das nötige Wasser. Viel „Spiritualität“ ist Nabelschau – konzentriert sich auf die Früchte, auf den Baum. Dabei soll Frömmigkeit (=Spiritualität) doch der Nahrungsaufnahme dienen. Einen Bonsai züchtet man u.a. durch Beschneiden der Wurzeln. So passen sie immer in einen Blumentopf – bleiben immer klein.

Es kommt gar nich so auf die Wurzel an. Der Wurzelgrund bietet dem Baum, was er braucht. Die Wurzeln graben sich tief ihn hinein. Jeder Baum fällt einmal. Alles hat sein Zeit.

Und nun?

Psalm auf dem Bibelserver lesen.

Zeit zum Nachdenken nehmen.

Daraus etwas praktisch umsetzen.

Stammformen kurz & knapp mit google

Mit google kann man ja jede Menge suchen und machen. Mir ist aufgefallen, dass google auch Stammformen kann =)

Ich habe Englisch, Latein und Deutsch erfolgreich probiert. Das ganze funktioniert nur, wenn man eine „Grundahnung“ hat. Man sieht ja an den Screenshots, dass man mindestens Präsens und Impferfekt können sollte. Am besten hat es bei Latein geklappt: Da reicht ein „ferre tu“ um „ferre tuli latum“ zu bekommen.

Stammenformen bei google

Stammenformen bei google

Ein Hirngespenst

Ich kam in die fünfte Klasse. Im Kunstunterricht fragte ich die Lehrerin ob ich meiner Sonne auch ein Gesicht malen dürfe. Wie konnte ich nur? Wie ich überhaupt auf die Idee kommen könne? Wir sind dοch schließlich keine Grundschüler.

Ja, das waren wir nicht mehr. Aber danach hatte ich auch nicht gefragft. Nun war ich Schüler am weltberühmten staatlichen Gymnasium Schlotheim.

Irgendwann später mussten wir dann aus Kupferdraht einen Traumzauberbaum basteln. Allein das Wort schon. Ich weiß nicht mehr, ob das so ein deutsches oder europäisches Kunstprojekt war… aber warum darf ich einer Sonne kein Gesicht malen, muss aber einen blöden Traumzauberbaum machen? Eine Sonne mit Gesicht ist wenigstens nett, eine kupferne Trauerweide nicht sonderlich.